Digitalfunk einfach erklärt

Ein Beispiel aus dem Alltag der Berufsfeuerwehr:

Mit einem Gong auf der Feuerwache wird der Einsatz eingeleitet.

Dann folgt die Einsatzmitteilung:

"Feuerschein über der Lagerhalle, Musterstadt.
Von der Feuerwache II Musterstadt: der gesamte Löschzug, der Rettungswagen 1-1.
Von der Feuerwache Musterstadt-Süd: das Löschfahrzeug 3-2, die Drehleiter 3-1."

Die Feuerwehrmänner und -frauen der Berufsfeuerwehr Musterstadt sind in wenigen Sekunden umgezogen und einsatzbereit, besetzen die Fahrzeuge und rücken aus.

Kaum hat das Einsatzfahrzeug die Fahrzeughalle verlassen, kommt es bereits zur ersten Funkverbindung mit der Leitstelle. Jetzt werden die jeweiligen Status gesetzt und weitere Informationen zum Einsatz übermittelt. So ähnlich geschieht es täglich in vielen Berufsfeuerwehren, wenn die Einsatzkräfte ausrücken.

Ein Netz für alle BOS

Vorbei sind die Zeiten, in denen die BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) in vielen verschiedenen Analogfunknetzen kommuniziert. Mit der Einführung des einheitlichen, bundesweiten und flächendeckendem TETRA-Netzes, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Nun ist das Kommunizieren über die Grenze des Zuständigkeitsgebiet hinaus realisierbar. Auch das Funken zwischen verschieden Organisationen wie Feuerwehr, Rettungsdiensten, Katastrophenschutz und Polizei ist jetzt problemlos möglich.

Mit geringem technischem Aufwand kann der bisherige Analogfunk abgehört werden. Durch die Abhörsicherheit wird der Funkverkehr vor dem Abhören und der Manipulation durch Dritte geschützt.

Abhörsicherheit

Im TETRA-Standard ist eine Sicherheitsfunktion bereits enthalten: die Funkschnittstellenverschlüssellung. Zusätzlich sind alle Digitalfunkgeräte mit einer integrierten Sicherheitskarte ausgestattet. Diese dient im Digitalfunknetz für die sogenannte Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Ausgehende Funkgespräche werden verschlüsselt, eingehende entschlüsselt.

Die Abhörsicherheit spielt besonders für Polizei und Verfassungsschutz eine große Rolle. Auch sensible Patientendaten, die im Rettungsdienst mit Funkwellen übermittelt werden, sind so geschützt.

Klare Sprachqualität

Laute Umgebungsgeräusche sind bei einem Einsatz normal. Der Digitalfunk überzeugt durch eine klare Sprachverständlichkeit und eine hohe Empfangsqualität. Nebengeräusche wie der Straßenlärm, die Motorengeräusche der Einsatzfahrzeuge und der Lärmpegel der Feuerlöschpumpen können weitgehend herausgefiltert werden.

Gruppenkommunikation

Ein klarer Vorteil des Digitalfunks bietet die Gruppenkommunikation. Alle Teilnehmer, die sich in einer Funkgruppe befinden, erhalten zeitgleich denselben Funkspruch. Eine Erleichterung, zum Beispiel bei einer Großschadenslage, stellt das Zusammenarbeiten unterschiedlichen Organisationen in gesonderten Funkgruppen dar.

Einzelkommunikation

Jedes Digitalfunkgerät verfügt über eine eigene Rufnummer. Das ermöglicht Funkgespräche mit einem bestimmten Teilnehmer zu führen, ohne dass weitere Personen mithören.

GPS Lokalisierung

Die übermittelten Positionsdaten des satellitengestützten GPS-Systems dienen der Leitstelle zur Erstellung des Einsatzmittelvorschlags. Die Leitstelle ermittelt das nächstgelegene Einsatzmittel und kontaktiert dieses anschließend. Sind die technischen Voraussetzungen vorhanden, werden die GPS-Koordinaten und Einsatzinformationen zusätzlich per SDS an ein Navigationssystem wie zum Beispiel SELECTRIC Columbus übermittelt. Die Einsatzkoordination wird hierdurch noch effizienter und schneller.
Im Notfall gewährleistet es die Ortung eine verunglückten oder hilfesuchenden Einsatzkraft durch die Totmann-Funktion oder das Drücken der Notruftaste am Funkgerät.

Datenübertragung

Um den Funkkanal zu entlasten verschickt die Einsatzleitung kurze Befehle per SDS (Short Data Service). Die Einsatzkraft die den Auftrag ausführt, bestätigt dieses ebenfalls mit einer SDS.

Erweiterung durch Applikationen

Die Software SALT bietet eine flexible Grundlage, um ein Digitalfunkgerät mit Applikationen zu erweitern. Applikationen wie Umschalten der DMO-Sendeleistung, Audioprofile, Totmann-Funktion oder Gruppenwechsel erleichtern die Kommunikation und bauen das Spektrum der Möglichkeiten weiter aus.

Vorteile des Digitalfunks

Die Einführung des Digitalfunks bietet den Nutzern der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) viele neue Möglichkeiten. Er erfüllt wichtige taktische Anforderungen, die an die Kommunikation der BOS gestellt und von der BDBOS (Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) gefordert werden.