DAS TELENOTARZT-SYSTEM  

Der Begriff Telemedizin fällt in letzter Zeit immer häufiger. Doch was verbirgt sich dahinter?

In der Telemedizin werden Diagnosedaten verschiedener medizinischer Geräte über eine verschlüsselte Internetverbindung übertragen. Bei den Rettungsdiensten wird dieser Ansatz in letzter Zeit immer häufiger im Bereich des Telenotarztes angewendet. Hier werden neben reinen medizinischen Daten sowohl ein Videobild als auch Audio übertragen. Mithilfe dieser Technologie ist es dem Notarzt möglich, die Rettungskräfte im Rettungswagen (RTW) bei Bedarf live per Zuschaltung zu unterstützen. Dem Telenotarzt (TNA) werden alle relevanten Patientendaten sowie detaillierte Livebilder inklusive Audiostream aus dem RTW über Breitband zugespielt.

Wie funktioniert ein TNA-System?

Die auf dem RTW mitgeführten medizinischen Geräte sind hier im Regelfall über einen Mobilfunkrouter verbunden. Darüber hinaus führt die RTW-Besatzung eine Bodycam mit. Zusätzlich verfügt der RTW über eine fest verbaute Domkamera, über welche sich der Notarzt einen bildlichen Eindruck verschaffen kann. Vom Schreibtisch aus kann der Telenotarzt jederzeit den Bildausschnitt dieser Kamera steuern und auch zoomen.

Ein Telenotarzt rückt hierbei nicht mit zur Einsatzstelle aus, sondern arbeitet von einem Telenotarztstandort, beispielsweise in einer Leitstelle, in einem Krankhaus oder in einer Praxis. Wird dieser von den Einsatzkräften benötigt, geht eine Alarmierung auf, welche der Telenotarzt annimmt. Nun bekommt er sowohl die Livedaten vom Defibrillator als auch ein detailliertes Livebild vom Patienten im RTW. Durch die Livedaten und -bilder kann der Telenotarzt in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienstpersonal die geeignete Behandlung durchführen.

Die einzelnen Schritte im Überblick:

Schritt 1:
Alarmierung. RTW Besatzung fordert den Telenotarzt an.

Schritt 2:
Einsatzauftrag übernehmen. Notarzt nimmt den Einsatzauftrag an.

Schritt 3:
Verbindungsaufbau. Über den Router im TNA-RTW wird eine Verbindung aufgebaut, über die auch alle Daten der Defibrillatoren mit EKG-Funktion, der Patientenkamera, der Kommunikation und weiterem läuft.

Schritt 4:
Therapie/Behandlung. Der Notarzt unterstützt bei der Behandlung beziehungsweise leitet diese an.

Schritt 5:
Einsatznachbesprechung. Vereinzelte Systeme sind in der Lage, Daten für Nachbesprechungen auszuwerten und zur Verfügung zu stellen.

Dem Mobilfunkrouter kommt in diesen Fahrzeugen eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der vielen Daten (Videobild, Audio, Medizinische Daten) und der hohen Anforderung an die Verbindungsstabilität, werden in diesen Router im Regelfall zeitgleich mehrere SIM-Karten, auch von unterschiedlichen Netzprovidern, eingesetzt. Neben einem performanten und stabilen Router ist auch die Antennentechnik ein wesentliches Kriterium.

Warum ist ein Telenotarzt-System wichtig?

  • Es sind regional abhängig nur stark begrenzte ärztliche Ressourcen vorhanden.
  • Hilfsfristen können viel einfacher und zuverlässiger eingehalten werden.
  • Durch den Entfall von Fahrzeiten ist ein effizienterer Einsatz von Notärzten möglich.
  • Durch den hohen Digitalisierungsgrad ist eine einfache Möglichkeit der Dokumentation gegeben.

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