NRW-PILOTPROJEKT „BOS-DIGITALFUNK-SIRENENSTEUERUNG" ERFOLGREICH ABGESCHLOSSEN

Die Stadt Essen befindet sich derzeit in der Realisierungsphase, 89 elektronische Sirenen für das gesamte Stadtgebiet zu errichten. Den Auftrag hierfür erhielt nach erfolgter Ausschreibung im Jahr 2018 das Hagener Unternehmen HELIN. Derzeitig sind für eine Projektlaufzeit über 3 Jahren 30 Sirenen fertiggestellt.

Das Besondere an diesem Projektvorhaben, ist die neuartige digitale Ansteuerung der Sirenen über das bundesweit flächendeckende Digitalfunknetz TETRA für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS).

Nach der Spezifikation der Bundesanstalt für den Digitalfunk BOS (BDBOS), für die Alarmierung im Digitalfunknetz, haben wir ein entsprechendes digitales Interface entwickelt, welches die Digitalfunk-Steuersignale (TETRA CallOut) empfängt, auswertet und an die elektronische Sirenensteuerung weiterleitet.

Neu ist hierbei auch eine automatische Überwachung der Sirene, welche durch die passive Sirenensteuerung in der Vergangenheit nicht möglich war. Diese nunmehr „aktive“ Sirenensteuerung überträgt somit auch Meldungen von der Sirene an die Leitstelle der Feuerwehr Essen zurück, wie beispielsweise: Sirene Start / Stop, technischer Status Sirene OK, beziehungsweise Fehler, Batteriefehler, Stromnetzfehler, Sabotage, Handabschaltung und Ähnliches. Unser Interface in Verbindung mit einem Sepura Digitalfunkgerät ist nun in jeder HELIN-Sirenen-Steuerung verbaut.

Schwerpunktmäßig wurde das TETRA-BOS-Funknetz für den Sprechfunk mit einer hohen Verschlüsselungstiefe konzipiert. Um nun auch Steuerungen (Fernwirken) und Alarmierungen für Sirenen und andere Anwendungen über dieses Netz durchzuführen, wurde von der zuständigen Bundesbehörde BDBOS das sogenannte „CallOut“- Datenprotokoll definiert und spezifiziert. Diese Datenströme werden dann parallel zur Sprechfunkkommunikation im Digitalfunknetz kontrolliert übertragen. Bevor diese Technik jedoch offiziell flächendeckend in Deutschland zugelassen werden kann, bedarf es einiger Tests, um sicherzustellen, dass das Funknetz nicht überlastet wird.

In Abstimmung mit dem Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen werden die Tests als ein Pilotprojekt NRW in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Essen durchgeführt und durch die Autorisierte Stelle NRW Digitalfunk BOS und das Kompetenzzentrum IdF NRW (Institut der Feuerwehr) in Münster, als Einrichtung der Landesregierung NRW begleitet.

Funktechnisch wurde das Projekt in Essen vom Brandamtsrat Wolfgang Poschen begleitet. Herr Poschen hat mit seinem Fachwissen und seiner langjährigen TETRA-Erfahrung schon weit vor Inbetriebnahme des BOS-Digitalfunknetzes in Deutschland, einmal mehr für einen reibungslosen Praxisverlauf gesorgt.

Am Warntag, 10. September 2020, 11:00 Uhr war es soweit. Erstmals wurden für das Bundesland NRW in Essen 30 Sirenen offiziell über TETRA angesteuert.

Es begann mit der Sirenensequenz „Entwarnung“ (1 Minute Dauerton), „Warnung“ (1 Minute Heulton) und zum Schluss wieder „Entwarnung“.

Alle Sirenensequenzen liefen erfolgreich ohne Störungen durch. Anschließend wurde von allen Sirenen eine positive Rückmeldung empfangen und entsprechend ausgewertet und zur Anzeige gebracht.

Mit diesem Konzept der Sirenensteuerung über das BOS-Digitalfunknetz kann nun von jeder Leitstelle aus in Deutschland auch auf jene Sirenen zugegriffen werden, welche nicht zum eigenem Kreisgebiet/kreisfreie Stadt zugehörig sind. Somit ist hierdurch zur Warnung der Bevölkerung eine Basis geschaffen worden, welche es nunmehr ermöglicht auch von zentraler Stelle auf alle Sirenen in Deutschland zugreifen zu können.

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